Was sind eure Erfahrungen mit Inklusion und individuellem Lernen im Schulalltag?
- info4451799
- 8. Juni
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Als Vertretungslehrerin in der Grundschule und Leiterin kreativer Workshops für Menschen mit besonderen Bedürfnissen bewege ich mich zwischen zwei Welten. Und genau dort fällt mir immer wieder etwas auf:
Wir sprechen viel über Inklusion. Doch im Schulalltag stoßen viele Kinder noch immer an Grenzen, die nicht von ihnen selbst geschaffen wurden.
Unser Bildungssystem orientiert sich häufig an einem festen Tempo, klaren Leistungsvorgaben und standardisierten Lernwegen. Kinder sollen zur gleichen Zeit das Gleiche lernen – unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen, Stärken und Herausforderungen.
Dabei erlebe ich immer wieder: Lernen gelingt viel besser, wenn wir den Menschen in den Mittelpunkt stellen.
Manche Kinder brauchen einfach mehr Zeit, andere lernen am besten über Bewegung, wieder andere benötigen praktische Erfahrungen statt Arbeitsblätter. Und viele brauchen vor allem die Sicherheit, Fehler machen zu dürfen, ohne sofort bewertet zu werden.
In meinen kreativen Workshops sehe ich immer wieder, wie Kinder und Menschen mit besonderen Bedürfnissen regelrecht aufblühen, sobald sie in ihrem eigenen Tempo arbeiten dürfen und ihre Fähigkeiten gesehen werden – statt ihrer Defizite.
Vielleicht sollten wir uns häufiger fragen:
Warum erwarten wir eigentlich, dass sich die Kinder dem System anpassen?
Warum gestalten wir das System nicht viel stärker um die Bedürfnisse der Kinder herum?
Mehr Individualisierung, kleinere Lerngruppen, kreative Lernformen und eine stärkere Förderung praktischer Fähigkeiten könnten vielen Kindern helfen, ihr volles Potenzial zu entfalten.
Für mich bedeutet Inklusion nicht, dass alle das Gleiche machen. Inklusion bedeutet, dass jeder die Möglichkeit erhält, auf seine eigene Weise erfolgreich zu sein.
Das sollten wir nicht nur in Konzepten festhalten, sondern jeden Tag leben.



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